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06.05.2011

Der Mittelstand verträumt das Risiko

Mittelständische Unternehmen haben im Vergleich zu Großbetrieben Nachholbedarf beim Lieferantenmanagement. Wer jedoch in den Tag hinein lebt, findet nicht so schnell einen Alternativlieferanten. Das zeigt eine Studie von Allensbach.

Rund 65 Prozent der deutschen Mittelständler führen standardisierte Lieferantenbewertungen sowie regelmäßige Besuche und Audits bei ihren Lieferanten durch. Damit liegen sie gegenüber Großunternehmen und Konzernen weit zurück: Mehr als 80 Prozent dieser Unternehmen kontrollieren ihre Lieferanten systematisch. Das hat eine aktuelle Befragung von 501 Top-Entscheidern der deutschen Wirtschaft durch das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting ergeben.

Noch dramatischer ist der Unterschied im Risikomanagement. Gerade einmal 14 Prozent der Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern verfügen über ein Risikomanagementsystem im Einkauf. Immerhin hat knapp die Hälfte (47 Prozent) der großen Betriebe mit mehr als 1000 Angestellten ein solches System aufgebaut.

„Die Katastrophe  in Japan bedroht akut die Lieferketten der ganzen Welt“ sagt Einkaufsexperte Gerd Kerkhoff. „Unternehmen, die in einem Risikomanagementsystem auch Katastrophenszenarien antizipiert und Lösungsmodelle vor dem Beginn einer Krise entwickelt haben, werden sich nun leichter tun, auf alternative Lieferanten umzuschwenken. Wer in den Tag hinein gelebt hat, wird nun nur durch einen hohen zeitlichen und damit kostenintensiven Einsatz rasch Alternativlieferanten finden.“

Bei der Einbindung der Einkaufsabteilung in die Produktion sind Mittelstand und Großindustrie ungefähr auf einem Stand: 65 Prozent haben Schnittstellen mit der Produktion geschaffen. Anders sieht dies bei der Produktentwicklung aus: Die Hälfte der Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern bindet den Einkauf bereits „stark“ oder „sehr stark“ in die Entwicklung von Produkten mit ein. Bei Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern hat dies nur ein Drittel getan.

„Große Unternehmen lassen die kleineren Mittelständler in Sachen Professionalität weit hinter sich“, sagt Gerd Kerkhoff. Aber auch die Großen haben deutlichen Aufholbedarf: Dass nur die Hälfte ein Risikomanagementsystem hat, sollte genauso alarmieren wie die viel zu geringe Einbindung der Einkaufsabteilung in interne Entscheidungsprozesse. Das Drittel der Unternehmen, das bereits mit der modernen Produktkostenkalkulation arbeitet, hat seinem Wettbewerb schon jetzt die Nase weit voraus. Die anderen müssen jetzt nachlegen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.“ Vier von fünf Unternehmen wollen ihre Kosten senken, um das operative Ergebnis zu verbessern. Große Unternehmen und Konzerne haben in der Anwendung von Kostensenkungsmaßnahmen gegenüber dem Mittelstand deutlich die Nase vorn. Die Hälfte der befragten Betriebe wollen sich beim Kostensenken auf den Einkauf konzentrieren.

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