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04.04.2012

"Der Beratungsmarkt in China ist noch jung"

Christine Yu, Geschäftsführerin von Kerkhoff Consulting in China, über Unternehmensberatung im Reich der Mitte.

 

JobguideXpress: Sie haben Wirtschaftswissenschaften an der Fudan-Universität in Shanghai und der Universität St. Gallen studiert. Was hat Sie dazu bewegt, Unternehmensberaterin zu werden?

Yu: Mich hat fasziniert, dass man als Berater mit dem richtigen Strategie-, Prozess- und Methodenwissen in Unternehmen innerhalb kürzester Zeit so viel bewegen kann. Wenn ich mit unseren Kunden neue Strategien entwerfe, erlebe ich die Zusammenarbeit als sehr intensiv und häufig auch als beglückend. Als Unternehmensberater lernt man sehr viel bei der Projektarbeit. Man hat ständig andere Herausforderungen und trifft dabei auf viele interessante Menschen, mit denen man Dinge in Gang setzt, die man sich vorher nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorstellen konnte.

JobguideXpress: Zum Beispiel?

Yu: Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mich in meinem Leben jemals gemeinsam mit einem Lebensmittelkonzern und den ihn beliefernden Bauern mit der Frage beschäftigen würde, wie man es schafft, eine seltene chinesische Wurzel, die nur an ganz bestimmten Berghängen in einer ganz bestimmten Region Chinas alle paar Jahre geerntet werden kann, so anzubauen, dass sie kontinuierlich für die industrielle Produktion verfügbar ist, ohne dabei Raubbau an der Natur zu betreiben.

JobguideXpress: Wer war der Auftraggeber für dieses Beratungsprojekt, Greenpeace China?

Yu: Nein, mit Greenpeace hatte das nichts zu tun. Nachhaltig zu wirtschaften, steht auch bei so manchem chinesischen Lebensmittelproduzenten mittlerweile oben auf der Agenda. Bei dem Projekt ging es darum, dass der Hersteller von Gesundheitsprodukten Infinitus, der seinen Hauptsitz in Hongkong hat und dessen Sojasoßen Sie vielleicht aus europäischen Asienshops kennen, seine Lieferkette absichern wollte. Infinitus verarbeitet in seinen Gesundheitsprodukten zahlreiche chinesische Heilkräuter, die nicht immer Mengen verfügbar sind, wie sie für die industrielle Produktion notwendig sind. Das Unternehmen hatte uns als Einkaufsberatung ins Haus geholt, um Lösungen für die Versorgungssicherheit und Preisstabilität zu entwickeln.

JobguideXpress: Ist das Thema Nachhaltigkeit ein Beratungstrend in China?

Yu: Chinesische Unternehmen sind sich sehr darüber bewusst, dass nachhaltiges Wirtschaften ein Riesenthema für sie ist. Schon wegen der knapper werdenden Rohstoffe und stark schwankenden Rohstoffpreise. Effizienz in die Lieferketten zu bringen, wird für chinesische Unternehmen aber auch deshalb immer wichtiger, weil die Konkurrenz aus anderen asiatischen Ländern immer stärker wird. Manche Unternehmen - etwa aus der Textilindustrie - führen zurzeit Restrukturierungen oder Strategiewechsel durch, weil sie merken, dass sie im Preiswettbewerb mit Vietnam oder Bangladesch nicht mehr mithalten können. Die Prinzipien der Nachhaltigkeit sind insofern auch schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Thema in den Beratungsprojekten.

JobguideXpress: Wie offen sind chinesische Unternehmen für Unternehmensberatung generell?

Yu: Der chinesische Beratungsmarkt ist insgesamt noch sehr jung. Auf der einen Seite bedeutet das enorme Wachstumschancen. Auf der anderen Seite benötigt man viel Geduld, weil die Dienstleistung an sich noch stark erklärungsbedürftig ist. Trotzdem kann man sagen, dass in den großen staatlichen wie in den privaten Unternehmen Chinas Unternehmensberatung mittlerweile Normalität ist.

JobguideXpress: Beraten Sie auch deutsche Unternehmen, die in China Geschäft machen wollen?

Yu: Die Beratung internationaler Unternehmen war sogar unser Ausgangspunkt bei der Gründung von Kerkhoff Consulting in China. Wir haben anfangs westlichen Unternehmen vor allem dabei geholfen, Einkaufspartner in China zu finden und mit ihnen verlässliche Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Seit ein paar Jahren nun arbeiten wir auch für chinesische Auftraggeber. Wir unterstützen chinesische Staatsbetriebe wie Privatunternehmen genauso wie westliche Unternehmen, die hierzulande mit eigenen Niederlassungen und Werken vertreten sind, in puncto Einkauf und Supply Chain Management.

JobguideXpress: Wie wichtig ist es, selbst chinesischer Herkunft zu sein, damit chinesische Auftraggeber Sie als Berater akzeptieren?

Yu: Wenn Ihre Frage darauf abzielt, ob auch Nicht-Chinesen als Unternehmensberater von chinesischen Unternehmen akzeptiert werden, lautet die Antwort: Ja, die Expertise zählt. Unser Beratungsteam in China ist teils mit Chinesen, teils mit deutschen Beratern besetzt. Wichtig ist, dass ein Berater gute Sprachkenntnisse in Englisch, besser aber noch in Chinesisch mitbringt und in der Lage ist, sich in den verschiedenen Kulturkreisen zu bewegen.

Das Gespräch führte Julia Leendertse

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