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03.12.2010

Beschaffungsmärkte der Zukunft zielgenau bestimmen

Aufgrund von Kostendruck ist die Bedeutung internationaler Beschaffung in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Neben dem Dauerbrenner China werden derzeit vor allem drei Regionen genau beleuchtet: Indien, Brasilien und die Türkei.

Von Gerald Boess, Partner Internationale Beteiligungen, Kerkhoff Consulting

Aufgrund von Kostendruck ist die Bedeutung internationaler Beschaffung in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Zahlreiche Skandale – von Krebs erregendem Spielzeug bis hin zur hautschädlichen Jeans – haben jedoch auch den Qualitätsaspekt immer stärker in den Fokus gerückt. Zudem wird die Beschaffung von Hochtechnologie aus dem Ausland heute zu einer gangbaren Option. Damit stehen Märkte, die von technologischen Innovationen geprägt sind und höhere Qualitätsstandards ansetzen, zunehmend im Interesse von Global-Sourcing-Verantwortlichen.

Auf dem Vormarsch: Indien, Brasilien und Türkei

Neben dem Dauerbrenner China werden derzeit vor allem drei Regionen genau beleuchtet: Indien, Brasilien und die Türkei. Indien profiliert sich neben dem IT- und Dienstleistungssektor zunehmend im Maschinen- und Anlagenbau. Im Laufe der letzten Jahre haben Zulieferbetriebe für Maschinenbauer enorm aufgerüstet – insbesondere Gießereien, Stahlbauer, Lohnfertiger und Hydraulik- & Komponentenbauer. Darüber hinaus verfügt Indien über hervorragend ausgebildetes und leistungsfähiges Personal, insbesondere Techniker und Ingenieure. Die kulturellen Barrieren sind durch die Amtssprache Englisch und gehobene Ausbildungsstandards gering.

Auf der Sourcing-Landkarte von immer mehr Unternehmen findet sich auch Brasilien – der laut MSCI Global Emerging Market Index zeigt  momentan am stärksten wachsende Markt. Das Land eignet sich als zukunftsfähiger Beschaffungsmarkt insbesondere im Bereich Agrarwesen, Automobil, Energie und Anlagenbau. Brasilien zeichnet sich durch große wirtschaftliche Produktivität, kurze Logistikwege aufgrund umfassender Rohstoffvorkommen und einen hohen technischen Entwicklungsstand aus.

Viele Unternehmer schauen auch verstärkt nach Ost- und Südosteuropa. Der Vorteil: Logistische und kulturelle Nähe zu den Lieferanten. Die Türkei gilt aktuell als Geheimtipp. Das steigende Wirtschaftswachstum von jährlich etwa sieben Prozent sowie die zunehmende Integration der türkischen Wirtschaft in den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) verbessert die Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen. Besonders interessant ist die Türkei als Beschaffungsmarkt für die Automobilindustrie sowie für elektronische Bauteile, Lohnfertigung und Lebensmittel. Weiter Vorreiter bleibt das Land bei Textilien. Die Lieferanten können im Preiskampf mit Ostasien mithalten, weil sie mit kurzen Lieferfristen und hoher Qualität überzeugen können. Gleichzeitig lassen sich Lieferanten aufgrund der räumlichen Nähe schneller und damit kostengünstiger auditieren.

Software unterstützt Entscheidungsfindung

Viele Unternehmen gehen die Erschließung neuer Beschaffungsmärkte auch heute noch ohne gezielte Strategie an. Doch die Anwendung des Prinzips „Trial and Error“ kann zu großen monetären Verlusten führen. Das Implementieren einer weltweit orientierten Beschaffung erfordert im Vorfeld erhebliche Recherchearbeit und Beschaffungsmarktforschung, die viel Zeit und Geld kostet.

Fortschrittliche Unternehmen stützen individuelle Recherchen über ein Land mit Softwareanwendungen für das Global Sourcing. Der Markt bietet heute spezialisierte Anwendungen, die aufgrund einer umfassenden Datenbank die genauen Transaktions- und Stückkosten für die globale Verlagerung des Bezugs eines Produktes berechnen. Diese Anwendungen wissen exakt, in welchem Land welche Lohnkosten zu zahlen sind oder wie sich politische Rahmenbedingungen auf die Logistik auswirken.

Ein Vor-Ort-Besuch bleibt Unternehmern aber auch heute nicht erspart: Wer wissen möchte, wie es in den Betrieben vor Ort aussieht und ob die Geschäftskultur zum eigenen Unternehmen passt, der muss auch heute Reisen und direkte Gespräche mit seinen Lieferanten führen.

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